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Zurück?! (17. Oktober 2014)

Autor: Clara | Datum: 19 Oktober 2014, 12:54 | Kommentare deaktiviert

Alter Falter. Jetzt bin ich schon wieder zwei Monate in Deutschland. Die Zeit vergeht wie im Flug.

Eigentlich habe ich mir immer vorgenommen, kurz nach meinem Rückflug die letzten Blogposts hochzuladen und noch ein paar fertigzustellen, die ich angefangen auf meinem Laptop habe. Ja, und jetzt sage ich schon seit fast zwei Monaten: Morgen mach ich das. Aber ständig ist was dazwischengekommen. Lieben Leuten hallo sagen, ein WG-Zimmer suchen, den Papierkram für die Uni erledigen, umziehen, eine kaputte Festplatte am Laptop, kein Internet… Mittlerweile bin ich in Potsdam, bin in meiner ersten Uniwoche und sitze endlich, endlich vor meinem Laptop.

Eigentlich hatte ich noch so viele Themen, von denen ich euch berichten wollte: Meinem Praktikum, Polygamie, Entwicklungszusammenarbeit in Kamerun, das kamerunische Schulsystem, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Freiwilligendienst, Korruption, Sklaverei,… Ich glaube, daraus wird nichts mehr. Nicht nur die fehlende Zeit ist ein großes Problem: Irgendwie ist Kamerun jetzt schon, nach zwei Monaten, so lange her! Obwohl ich ständig an Kamerun und meinen Freiwilligendienst denke, ist mir vieles schon gar nicht mehr so parat. Und bei vielen Themen würde ich gerne vorher nochmal andere Menschen ausfragen, bevor ich darüber schreibe. Die Kommunikation Deutschland-Kamerun ist aber nicht wirklich die einfachste. 

Ich finde es schon krass, wie schnell ich mich wieder an Deutschland gewöhnt habe. Ich kann noch Fahrradfahren, wenn ich ins Auto steige, schnalle ich mich automatisch an, ich weiß noch, wie die Waschmaschine funktioniert und mittlerweile ist das warme Wasser unter der Dusche auch wieder selbstverständlich geworden.

Aber etwas ist dann doch anders. Als ich gestern an der Uni einen Professor kennengelernt habe, habe ich beim Händeschütteln meine linke Hand an meinen rechten Unterarm gehalten. Ein Zeichen von Respekt. Vor ein paar Wochen hatten wir Besuch. Ich hatte dreckige Hände, und anstatt sie schnell zu waschen, habe ich dem Gast einfach meinen Unterarm zum Schütteln ausgestreckt. Mich stört es nicht mehr, wenn ich eine Viertelstunde auf den Zug oder die Bedienung warten muss. Ich sage immer noch reflexartig „pardon!“, wenn ich jemandem in die Hacken laufe. Und immer wieder bin ich erstaunt, wie weiß Deutschland doch ist. Die Menschen, die Wände, die Böden, die Decken, die Möbel… Und so sauber! Und so ruhig!

In den vergangenen Wochen haben mich immer wieder Leute gefragt, „Sag mal, Clara, wie war´s denn so in Afrika?“ Ich glaube, bis vor anderthalb Jahren hätte ich die gleiche Frage gestellt. Aber heute ist es mir wichtig zu betonen, dass ich in Kamerun war, ganz genau sogar in der Westregion, in den Bergen. Kamerun wird zwar auch Miniatur-Afrika genannt, aber trotzdem habe ich keine Ahnung, wie es in den über fünfzig anderen Ländern des afrikanischen Kontinents aussieht.

Vor, aber vor allem nach meinem Aufenthalt fällt mir aber immer wieder auf, wie sehr Afrika doch über einen Kamm geschert wird. „Dürreperiode in Afrika verringert die Ernte“, „Täglich werden in Afrika 100 Elefanten gewildert“, „Afrika entdecken – in zwei Wochen!“

Aber ganz ehrlich? Ich glaube vor Kamerun war Afrika für mich auch ein riesengroßer Kontinent, vollgepackt mit Stereotypen. Der Norden: Pyramiden, Wüste, arabischer Frühling. Der Süden: Südafrika. Und dazwischen? Dürre, Regenwald, Sonne, Elefanten und Giraffen. So ungefähr. Im Rückblick echt bitter.

Viele Leute stellen fest, dass ich im letzten Jahr gar nicht braun geworden bin. Oder fragen mich, ob mir denn nicht kalt sei, wo ich doch aus der afrikanischen Hitze käme. Ob ich in einer Lehmhütte gewohnt hätte. Ob es denn genug zu essen gab. Ob ich denn keine Angst vor den wilden Tieren gehabt hätte.

Kamerun ist unfassbar grün. Es gibt kaum wilde Tiere, weil Wilderei weit verbreitet ist, Diabetes und Fettleibigkeit sind in manchen Regionen zu einem großen Gesundheitsproblem geworden und ich habe noch nie so oft gefroren wie im letzten Jahr. All das hätte ich vor einem Jahr niemals gedacht. Mein Bild von „Afrika“ hat sich sehr verändert. Zu dem Thema „Das Land Afrika“ hat eine FW mir letztens diesen echt guten Artikel geschickt: http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/die-angst-vor-ebola-afrika-ist-nicht-gleich-afrika-13104810.html

Eine andere Frage, die mir oft gestellt wird, ist, ob ich denn froh sei, wieder in Deutschland zu sein. Jein. Ich genieße die warme Dusche, den Luxus, die Waschmaschine, Busfahrpläne, Käse, Sauberkeit, Apfelsaft, die Freiheit, abends nicht mehr zur Dunkelheit zu Hause zu sein, Vollkorbrot… Aber andererseits vermisse ich Kamerun manchmal schon sehr. Die Bewohner und das Centre, den Trubel auf der Straße, die vielen Gespräche zusammengequetscht im Taxi, plantaines, moto fahren, das frische Obst…

Viele FW haben bei ihrem Abflug gesagt, dass sie gar nicht weg wollten. Ich liebe Kamerun und war auch sicherlich nicht das letzte Mal dort. Aber am Ende war für mich einfach gut gewesen. Ich habe das Jahr, das Land und vor allem die Gesellschaft genossen, aber im Sommer war ich einfach bereit für was Neues. Bereit für den Rückflug, bereit für den neuen Abschnitt Uni. Aber ich werde immer an meine schöne Zeit in Kamerun zurückdenken und spare schon fleißig für ein Ticket. Ich bin gespannt, wie sich das Centre und die Bewohner in den nächsten Jahren weiterentwickeln und kann es kaum erwarten, sie wiederzusehen.

 

Soo, ihr Lieben. Das war mein letzter Beitrag für diesen Blog. Ich habe echt viel geschrieben, aber trotzdem konnte ich nur einen Bruchteil von dem weitergeben, was ich erlebt habe. Ich habe so viele nette Menschen kennengelernt, so viele tolle Orte besucht, so unfassbar viel erlebt… Und es hat mir super viel Spaß´gemacht, euch an meinem Kamerunjahr Teil habe zu lassen. An dieser Stelle möchte ich mich bei euch allen für die netten Mails, Postkarten, Briefe und interessierten Fragen bedanken, die ihr mir während und nach meinem Freiwilligendienst geschrieben habt. DANKE!

Und ich freue mich immer, wenn auch in Zukunft Menschen mit mir über meine Zeit im „Land im Knick von Afrika“ sprechen möchten!

 

 

 

 

 

 

 

Geld und Kosten (12. Oktober 2014)

Autor: Clara | Datum: 19 Oktober 2014, 12:52 | Kommentare deaktiviert

Kamerun (sowie Gabun, Äquatorialguinea, Kongo (Brazzaville), die Zentral Afrikanische Republik und Tschad) ist Mitglied der Communauté Financière Africaine. Das bedeutet, dass in diesen sechs Ländern mit der gleichen Währung bezahlt wird: Den CFA-Francs.

Scheine gibt’s in Höhe von CFA 10.000, CFA 5.0000, CFA 2.000, CFA 1.000 und CFA 500. Die einzelnen Scheine unterscheiden sich in ihrer Farbe (lila, grün, pink, blau, braun) und ein bisschen in der Größe (aber kaum).

Wenn ich Geld abhebe, gibt der Automat mir fast nur Zehntausender, was ziemlich nervig ist. Die meisten Marktfrauen rollen schon mit den Augen, wenn ich mit einem 2.000er ankomme, und weigern sich vollkommen, mir auf CFA 10.000 rauszugeben. Nur die Tankstelle und der Supermarkt schauen mich zwar böse an, lassen mich aber trotzdem meine Packung Nudeln mit einem 10.000er bezahlen.

Anfangs habe ich mich mit vielen FW über die Scheine unterhalten und wir alle waren der Meinung, dass sie echt ekelig seien. Die meisten Scheine haben eine klebrig-schmierige Schmackschicht auf dem Papier, stinken, sind schmutzig und nachdem man sie angefasst hat, hat man das Bedürfnis sich die Hände zu waschen. Außerdem werden die Scheine immer geknüllt ins Portemonnaie oder in die Hosentasche gestopft. Ich hatte ganz vergessen, wie sauber Geld doch sein kann, bis ich wieder einen Euroschein in der Hand hatte.  

Münzen gibt’s im Wert von CFA 500, CFA 100, CFA 50, CFA 25, CFA 10, CFA 5, CFA 2 und CFA 1. Mit den Münzen habe ich mich lange sehr schwer getan: es gibt oft zwei Größen. Die einen 500er sind etwas größer als die 100er, die anderen etwa so groß wie ein Fünfmarkstück (ja, da kann ich mich noch dran erinnern). Die einen 100er sind silbern, die anderen sind innen silbern und außen golden. Und die 25er sind entweder so groß wie die 100er, oder größer als die großen 500er. Alles klar?

Mit Münzen, die weniger als CFA 25 wert sind, kann man nix anfangen. Irgendein unfreundlicher Kellner in Limbe hat mir eine Handvoll davon gegeben, und seitdem liegen sie in meinem Zimmer. Ich habe schon mehrmals versucht, damit zu bezahlen, aber keiner will sie haben. Und ich habe auch noch nichts gefunden, was nur CFA 10 kostet.

Ein Euro entspricht CFA 655, bzw. CFA 1000 gleich 1,52€.

-      Für CFA 100 bekomme ich vier große bzw. 9 kleine Bananen

-      Eine Taxifahrt nach Bafoussam kostet CFA 500, Fahrten innerhalb Bafoussams CFA 100-200.

-      Ein Baguette kostet CFA 125

-      Eine Busfahrt nach Douala (sechs Stunden) kostet CFA 3.000

-      Eine 0,66l Flasche Bier in einer Bar gibt´s für CFA 500

-      5,5m (6 Yards) Stoff auf dem Markt kostet, je nach Qualität, CFA 2.000-8.000

-      Ein Liter Benzin kostet ca. CFA 500-600

-      Eine Nacht im billigen Hotel kostet CFA 2.500 pro Person, mein teuerstes war CFA 20.000 für ein Doppelzimmer

-      Für eine Tafel Mambo-Schokolade bezahle ich CFA 650.

-      Ein Brief fliegt für CFA 250 nach Deutschland (seit Anfang des Jahres aber CFA 500)

-      Eine Ananas kostet CFA 100-300

-      Ein Teller Reis mit Tomatensoße kostet auf der Straße CFA 200

-      Ein T-Shirt auf dem Markt (second-hand Ware aus Europa) kann ich ab CFA 200 kaufen

 

Der CFA steht in einem festen Wechselkurs zum Euro. Als in den 90ern die Verhandlungen zur Einführung des Euros stattfanden, machte Frankreich zur Bedingung, dass der Euro den französischen Franc als Ankerwährung ablösen solle. Für die zentralafrikanischen Mitgliedsländer als Exportstaaten sorgt die Anbindung an den Euro für Stabilität und Sicherheit, aber auf der anderen Seite ist der Franc nach Meinung von Wirtschaftswissenschaftlern stark unterbewertet. Daran leidet die kamerunische Wirtschaft während vor allem Frankreich als Importeur profitiert. Außerdem ist die CFA-Euro-Abhängigkeit für viele Kameruner ein weiterer Indikator für die postkoloniale Ausbeutung der Franzosen.

 

 

 

 

 

Fragestunde (9. Oktober 2014)

Autor: Clara | Datum: 19 Oktober 2014, 12:50 | Kommentare deaktiviert

Was machst du jetzt?

Politik- und Wirtschaftsstudium in Potsdam!

 

Wie lief das eigentlich mit dem Duschen?

Wenn wir fließend Wasser hatten, funktionierte unsere Dusche im Badezimmer. Aber nur mit kaltem Wasser. Am Anfang musste ich mich immer ziemlich überwinden, mich unter die eiskalte Dusche zu stellen, aber irgendwann habe ich mich daran gewöhnt. Wenn wir kein fließendes Wasser hatten, habe ich mich mit einem Eimer und einer Schöpfkelle gewaschen. War zwar nervig, ging aber auch.

 

Worauf hast du dich in Deutschland am meisten gefreut?

Abgesehen von euch? Einer Waschmaschine!

 

Was tragen die Kameruner eigentlich für Kleidung?

Ich habe mir sehr viele Kleider, Hosen, Röcke und Blusen schneidern lassen. Wenn ich die in Deutschland trage, werde ich oft gefragt, ob das „typisch kamerunisch“ ist. Jein. Ich habe viele geschneiderte Klamotten, weil ich es mir leisten kann. Klar, im Vergleich zu Deutschland ist ein maßgeschneiderter Rock für drei Euro spottbillig, aber in Kamerun hätte ich dafür vier Mal Spaghetti-Omelette essen gehen können. Geschneiderte Kleidung war der Luxus, den ich mir erlaubt habe.

Um mir ein Kleid schneidern zu lassen, habe ich mir auf dem Markt Stoff gekauft. Der wird normalerweise in Paketen zu sechs Yards (5,5m) verkauft. Die Stoffe kommen meistens aus Nigeria, Ghana oder anderen westafrikanischen Ländern. Je nach Qualität kostet so ein Paket 1,50€ bis 15€. Manchmal haben die Verkäufer den Stoff auch in kleineren Päckchen verkauft. Aus sechs Yards kann man sich nämlich ein Kleid, einen Rock und eine Tasche nähen, und es bleibt trotzdem noch was übrig. Mit dem Stoff bin ich dann zur Schneiderin gegangen und habe ihr erklärt, was ich haben möchte. Sie hat meine Maße genommen und einige Tage später war das Kleidungsstück fertig. Für das Nähen eines Rockes habe ich meistens 2€, für ein Kleid 4€ und für eine Hose 4,50€ bezahlt.

Kleidung ist, wie in Deutschland auch, ein Statussymbol: Viele ältere Frauen, vor allem auf dem Land, tragen nur Kabas, weite, lange Kleider aus westafrikanischen Stoffen. Jüngere Frauen, vor allem in den großen Städten und in der anglophonen Region,  tragen oft auf dem Markt gekaufte, „westliche“ Second-Hand-Mode aus Europa. Wenn sie sich was schneidern lassen, sind die Schnitte oft kürzer, enger oder mit mehr Schnickschnack als bei traditionellen Kleidern.

Im muslimisch geprägten Norden tragen die Männer oft diese langen, weiten Gewänder. Im Westen tragen sie eher Jeans und dazu geschneiderte Hemden oder T-Shirts aus Europa.

Auf vielen Hochzeiten ist es Tradition, dass das Brautpaar einen Stoff aussucht. Jeder, der auf die Hochzeit eingeladen ist, lässt sich daraus was schneidern. So kann man am Rathaus immer genau sehen, wer zu welcher Gruppe gehört. Oft ist es auch so, dass eine Familie ein Outfit in dem gleichen Stoff hat. Auf Beerdigungen, zu denen oft mehrere Hundert Menschen gehen, weiß man so immer: Aha, die mit dem roten Stoff mit den gelben Blumen drauf sind wohl der Familienzweig aus Douala.

Zu Feiertagen und größeren Events werden oft auch extra Stoffe entworfen. Ich habe ein Kleid aus dem Stoff vom Weltfrauentag (8. März), andere Freiwillige zum Jubiläum ihrer Schule oder vom Nationalfeiertag. Auch Maggi-Würfel, „33“ (Bier) oder die Totaltankstelle haben eigene Stoffe.

 

Wie war denn das Wetter so bei dir?

Als ich Ende August nach Deutschland kam und es draußen kalt und regnerisch war, habe ich oft gehört: „Das ist jetzt wettertechnisch bestimmt eine große Umstellung für dich!“ Überhaupt nicht. Es bin in exakt dem gleichen Wetter gelandet wie ich abgeflogen bin.

In Kamerun gibt es nicht die für uns typischen Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das Jahr wird unterteilt in Regen- und Trockenzeit. Die Regenzeit ging während meines Aufenthaltes in der Westregion von Mitte Mai bis Ende November. Während der Regenzeit ist es nicht so, dass es den ganzen Tag regnet. Es gibt eher sehr starke Schauer und nur selten ganze Tage mit Niesel-Dauerregen.

In der Regenzeit ist es vor allem kalt. Es ist meistens den ganzen Tag bewölkt, also kommt die Sonne nicht durch. Ich habe meine Vorgängerinnen ja nicht ganz ernst genommen, als sie mehrmals betont haben, ich solle doch bitte an Pullis und warme Socken denken. Was sie für Recht hatten! Baham liegt auf 1.800m Höhe, und wenn die Sonne nicht rauskam, habe ich so manches Mal meine Strumpfhose unter der Hose angezogen.

In der Trockenzeit ist es dafür umso heißer. Die Sonne knallt erbarmungslos und ich habe mir zweimal überlegt, ob ich zum carrefour laufen möchte oder nicht doch lieber ein moto nehme.

So war es bei mir in den Bergen. In Douala und Buéa in der Küstenregion ist es das ganze Jahr über heiß und stickig. Die FW dort haben sich zwar schnell an die hohe Luftfeuchtigkeit gewöhnt, aber ich war immer froh, wenn ich Douala schnell wieder verlassen konnte. Es war auch echt ein bisschen ekelig: es ist dort so humid, dass die Kleidung und vor allem die Handtücher einfach nicht trocken werden und manches irgendwann anfängt zu schimmeln.

An der Regenzeit in Kamerun wird der Klimawandel ziemlich stark deutlich: Eigentlich ist die Regenzeit von Mitte März bis Mitte November. In den letzten Jahren haben sich die aber sehr verschoben. Der Regen kommt später und zum Leidwesen der Bauern auch oft zu wenig, sodass der Boden nicht genug Feuchtigkeit bekommt. Oder es regnet so stark, dass Erde und Saat einfach davongespült und die Pflanzen beschädigt werden. Und der Saat-und Erntekalender ist vollkommen verdreht.

 

Was haben die Kameruner für ein Bild von  Deutschland/ Europa?

Auf Grund meiner Hautfarbe habe ich in Kamerun viele Privilegien genossen. Wenn ich dann auch noch erzählt habe, dass ich Deutsche bin, gab´s nochmal eine Extraladung Ansehen.

Kamerun war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts deutsche Kolonie. Die  deutschen Kolonialherren haben gewaltsam regiert, unterdrückt, gedemütigt und Könige getötet, die nicht kooperieren wollten. Aber das haben die Franzosen und die Engländer, die nach dem ersten Weltkrieg Kamerun regierten, auch. Trotzdem gilt bei vielen Kamerunern: Deutschland hui, Frankreich pfui. Warum? Die Deutschen haben während ihrer Kolonialherrschaft Brücken, Zugstrecken und viele Gebäude gebaut, die bis heute stehen. Alles was (nach Meinung vieler Kameruner) die Franzosen dagelassen haben ist die Sprache – die dafür sorgt, dass die uralten Dorfsprachen aussterben, da die Kinder in der Schule nur Französisch sprechen dürfen. Außerdem kolonialisiert Frankreich nach Meinung vieler Kameruner weiterhin Westafrika: Die Währung steht, nach Wunsch der Franzosen, im festen Wechselkurs zum Euro und viele wirtschaftlich wichtige Einrichtungen, zum Beispiel der Hafen in Douala, einer der wichtigsten in West- und Zentralafrika, sind privatisiert und gehören französischen Unternehmen. Afrique mondial, ein frankophoner Fernsehsender Afrikas, macht eine ziemliche Hetze gegen Frankreich. Dies geht sogar soweit, dass französische Freiwillige, die ich kennengelernt habe, sich nach einigen Monaten nur noch als Schweizer vorgestellt haben, da sie als Franzosen ständig angepöbelt wurden.  Bei mir haben sich drei Mal Leute für die Brücken, die mein Land gebaut hat, bedankt.

 

Was hast du von der Boko Haram mitbekommen?

Sehr lange gar nichts. Ich habe immer wieder besorgte Mails aus Deutschland bekommen, dass ich doch bitte aufpassen solle, die Boko Haram wäre ja im Nachbarstaat Nigeria. Was genau dort aber abging, habe ich aber eigentlich nur von anderen FW oder bei Telefonaten mit meinen Eltern erfahren. (Genau das gleiche war auch bei den Unruhen in der Zentralafrikanischen Republik).

In aller Munde war die Boko Haram erst ab etwa Mai. Warum genau dann die islamische Gruppierung zum Hauptgesprächsthema wurde, habe ich nie rausgefunden. Aber plötzlich hieß es, man dürfe mir niemandem Fremden mehr sprechen, denn jeder könne ja Mitglied der Boko Haram sein. Es gab noch mehr Straßensperren und Passkontrollen und die Zeitungen haben ziemlich Panik gemacht. Irgendwann habe ich von Zoubaii, einer der Bororo-Frauen erfahren,  dass die Boko Haram sehr aktiv ist in der Region, in der ihre Familie wohnt und mehrere Häuser ihrer Verwandten geplündert oder angebrannt hat. Eigentlich fährt sie im Sommer immer zu ihrer Familie nach Nigeria, in diesem Jahr aber ist sie aber in Kamerun geblieben.

 

Hast du dich sicher gefühlt?

Ja. Ich habe vor allem am Anfang darauf geachtet, in der Dunkelheit (ab 18.30 Uhr) nicht mehr draußen zu sein, aber natürlich hat das nicht immer geklappt. Ich konnte problemlos alleine reisen, in Baham war ich auch in der Dunkelheit noch alleine unterwegs, ich habe mehrmals alleine in Hotels geschlafen und mir ist nie was passiert. Ich glaube, die Angst davor, dass was passieren könnte, ist das dümmste, was man haben kann. Ich hätte mich nicht wohlfühlen können, wenn ich die ganze Zeit im Hinterkopf gehabt hätte, dass ich überfallen werden könnte. Ich habe eine gesunde Naivität an den Tag gelegt, und bin damit erfolgreich durchgekommen. Und was ich im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern gehört habe, ist Kamerun wirklich sehr sicher.

 

Kannst du jetzt perfekt Französisch?

Definitiv nicht. Ich habe vor meinem Freiwilligendienst einen Sprachtest gemacht und vor einigen Tagen nochmal und ich wurde sogar eine Stufe schlechter eingestuft als vorher. Das liegt daran, dass ich nur selten korrigiert wurde, wenn ich was Falsches gesagt habe (Thema Weiß-sein). Ich habe auch nur selten auf Französisch gelesen oder geschrieben. Ich kann Preise aushandeln, einem Taxifahrer beschreiben, wo ich hinmöchte, erklären wer ich bin, woher ich komme und was ich in Kamerun gemacht habe, aber das war´s dann auch. Für meine Arbeit und mein Alltagsleben in Kamerun hat´s gereicht, aber nicht für tiefgründige Gespräche.

Im kamerunischen Französisch wird viel langsamer gesprochen als in Frankreich, und die Wörter auch nicht verbunden. Für mich war es so viel leichter, andere Menschen zu verstehen, aber ich habe mich jetzt auch so sehr daran gewöhnt, dass ich Franzosen nur noch sehr schlecht verstehe.

 

 

Vielen Dank für eure Fragen! Ich beantworte jederzeit gerne weitere :)

 

 

 

Einerseits… Andererseits…. (21. August 2014)

Autor: Clara | Datum: 19 Oktober 2014, 12:48 | Kommentare deaktiviert

Einerseits freue ich mich darauf, wieder immer Internet zu haben, wann und wo ich will. Schnell was googlen, auf Facebook schauen, was meine Freunde am Wochenende so gemacht haben, die Nachrichten lesen, bequem ein Buch bei Amazon bestellen,…

Andererseits ist mir hier erst aufgefallen, wie viel Zeit ich und die meisten anderen meines Alters in Deutschland im Internet verbringen. Selbst wenn ich nicht stundenlang am Stück surfe, so läppert es sich doch ganz schön. Es ist hier super angenehm, mit anderen Leuten zusammenzusitzen, ohne dass jeder sein Handy auf dem Tisch liegen hat und nebenbei mit Dritten Facebookt oder WhatsAppt.

 

 

Einerseits freue ich mich sehr darauf, die Straße entlang laufen zu können, ohne ständig angequatscht, mit Heiratsanträgen überhäuft, hinterhergepfiffen oder auch nur angestarrt zu werden…

Andererseits finde ich es in D´Land irgendwie schade, wie wir durch die Stadt laufen. Jeder eilt die Straße runter, achtet kaum auf die Menschen um sich, im Bus hören wir Musik, spielen mit dem Handy, lesen oder starren aus dem Fenster. Nur selten entsteht ein Gespräch mit dem Sitznachbarn im Zug, selbst wenn man stundenlang Schulter an Schulter sitzt.

 

 

Einerseits freue ich mich total auf die Uni. Ich wollte immer schon nach der Schule studieren und ich stell mir das Uni-Leben echt super vor. Neue Stadt, neue WG, neue Leute, unter der Woche Vorlesungen, am Wochenende feiern, mit anderen im Park chillen, Großstadtleben genießen…

Andererseits kann ich mich in dem Umfeld noch gar nicht vorstellen. Wenn ich von meinen bereits studierenden Freunden höre, wie stressig die Uni doch sein kann, mit Abgabefristen, Klausurenphasen, Hausaufgaben und dämlichen Mathevorlesungen, wird das eine sehr große Umstellung für mich. Den einzigen Stress, den ich im letzten Jahr hatte, war rechtzeitig zu überlegen, was ich zu Abend essen wollte, damit ich gegebenenfalls vor der Dunkelheit noch zur Boutique  laufen konnte. Irgendwie habe ich ein bisschen Angst, dass mich das Unileben nach einem Jahr sehr entspannten Kamerun etwas überfordert.

 

 

Einerseits freue ich mich sehr auf die leckere, gesunde, ausgewogene deutsche Küche (vor allem Papas :) ). Quark, Äpfel, Vollkornbrot, Milch, Müsli, Käse, Kuchen, Brokkoli, Erbsen, Eiscreme, Apfelschorle, Grillen, Essen aus dem Backofen…

Andererseits ist es schon cool, das ganze Jahr über lokal angebaute und frische Tomaten, Frühlingszwiebeln, Bananen, Ananas etc. kaufen zu können. Und frittierte Plantains, Yams-Wurzeln, Spaghettibrot, beignets und Bohneneintopf vermisse ich jetzt schon.

 

 

Einerseits freue ich mich auf gut gefüllte Supermärkte mit festgelegten Preisen und Kleidungsgeschäfte, in denen es mein T-Shirt nicht nur in meiner Größe, sondern auch in meiner Lieblingsfarbe gibt…

Andererseits hatte ich meistens einen Höllenspaß dabei, mit Verkäufern über Preise zu diskutieren. In kleinen Boutiquen einzukaufen habe ich geliebt. Auch wenn ich nicht die größte Auswahl hatte: mich zwischen Tomaten und Reis über die Gesundheit der grand-mère oder die Schulnoten der Nichte zu unterhalten, finde ich klasse. Ich habe mir unzählige Kleider und Röcke schneidern lassen, die mir perfekter passen als ein Kleidungsstück aus dem Laden, und die sind dazu auch noch Unikate. Und die Riesenauswahl, die es in deutschen Supermärkten und Geschäften gibt, finde ich mittlerweile fragwürdig. Ich hatte im letzten Jahr die Auswahl zwischen drei verschiedenen Nudelformen, und bin bestens ausgekommen. Wozu brauchen wir Deutschen im LIDL ein ganzes Regal voller Fussili, Maccaroni & Co?

 

 

Einerseits freue ich mich darauf, am Wochenende nicht mehr um halb sieben von Lionel geweckt zu werden, der beim Fegen singt, darauf, mich in den Garten setzen zu können, ohne dass sofort zehn Kinder um mich drum sitzen und alle drei Sekunden fragen, was ich mache, darauf, einen faulen Samstag im Schlafanzug zu verbringen, ohne dass mich meine 20 Mitbewohner auf mein Outfit ansprechen…

Andererseits ist es auch echt cool, mit so vielen netten Leuten zusammen zu wohnen. Mir wurde nie langweilig, ich hatte immer jemanden zum Quatschen und zum Spielen, es war immer jemand da, der das Nudelsieb halten oder mir sonst wie helfen konnte. Wenn ich mir überlege, die nächsten Wochen zu Hause „nur“ mit Mama und Papa zusammenzuwohnen, die tagsüber arbeiten sind, stell ich mir das irgendwie ein bisschen langweilig und still vor.

 

 

Einerseits freue ich mich auf saubere Busse und Züge mit einem Sitzplatz nur für mich, den ich mir nicht mit 5 anderen Menschen teilen muss, einigermaßen pünktliche Abfahrtzeiten und selbst wieder Auto fahren zu können.

Andererseits  habe ich mich schon lange an enge Taxis gewöhnt und es stört mich nicht mehr wirklich, nach einer langen Busfahrt nicht nur nach mir selbst, sondern auch nach dem Schweiß von zwanzig anderen Personen zu stinken. Die Freiheit, die ich in D´Land mit einem Auto genieße, wurde hier von den Taxis und Motos ersetzt, die zwar nicht ganz so verlässlich, aber tausend Mal günstiger sind. Motofahren macht zudem einfach nur Spaß.

Und Busfahrpläne einzuhalten war ja nun noch nie meine Stärke. Jetzt erst recht nicht mehr.

 

 

Einerseits war es echt ein super Jahr, gefüllt mit netten Menschen, einer perfekten Arbeitsstelle, schönen Momenten, tollen Erfahrungen, in einem wunderbaren Land…

Andererseits war es einfach nur perfekt!

 

 

 

À propos: Haare (6. August 2014)

Autor: Clara | Datum: 19 Oktober 2014, 12:46 | Kommentare deaktiviert

Es ist Mittwochmittag. Ich bin grade in Bangoua und mache hier zweieinhalb Wochen Praktikum in einer Sommerschule. Ich habe meinen Englischunterricht mit den Jugendlichen beendet und muss nun die Kinder während der extra activities beschäftigen. Ich bin total müde. Gestern Nacht war ich bis um ein Uhr wach, um meinen Unterricht vorzubereiten. Zum Fußballspielen oder Kettenfangen fehlt mir eindeutig die Kraft. Ich setze mich erst mal auf einen Stein um zu überlegen, wie ich die 30 Kinder ohne körperliche Anstrengung beschäftigen kann. Die Jungs schnappen sich sofort den Fußball und fangen an zu kicken. Ich bin schon dabei, ergeben aufzustehen und mich auf den Bolzplatz zu schleppen, als eines der Mädchen mich anschaut.

„Du hast deine Haare heute aber überhaupt nicht schön!“ sagt sie und schaut mich kritisch an. Na danke. Das ist schon das zweite Mal, dass ich das heute zu hören bekomme. Morgens habe ich in aller schnelle nur ganz flott meine Haare nach hinten gebunden. Da ich mir aber schon drei Mal die Haare habe flechten lassen, habe ich viele kleine Pisselhaare an den Schläfen, die einfach nicht hinten bleiben wollen. Dass ich vor ein paar Wochen auf die Idee gekommen bin, meine Haare selbst zu schneiden, macht die Lage auf meinem Kopf auch nicht besser. Mir ist das aber eigentlich ziemlich Latte. Den anderen aber nicht.

„Bleib sitzen, ich mach dir das mal schön!“ dirigiert sie mich und öffnet mein Haargummi. Sofort kommen fünf weitere Mädchen angelaufen und wuscheln durch meine Haare. Mich stört´s nicht. Sollen die Jungs doch alleine Fußball spielen, während ich mich mit den Mädels unterhalte und mich von ihnen frisieren lasse.

Während ich da so sitze und mir sehr fantasievolle Konstruktionen auf dem Haupt erbauen lasse, bewundern die Mädchen meine Haare. „Sie sind sooo lang!“ „Sie sind sooo glatt“ „Und die Farbe erst!“ Dass mir meine Haare eigentlich ziemlich egal sind, können sie überhaupt nicht verstehen. In den letzten Jahren, vor allem aber während der Zeit in Kamerun, habe ich mir kaum Gedanken darüber gemacht. Ich knülle sie morgens auf meinen Kopf, wasche und bürste sie hin und wieder und gut ist.

Hier werde ich ständig auf meine Haare angesprochen. Auf dem Markt streichen mir manchmal fremde Menschen über den Kopf, andere fragen mich, ob das alles meine echten Haare sind und ein paar Mal schon haben mir Leute Geld für meine Haare geboten, wenn ich sie mir abschneide.

Als mir grade die Mädchen von verschiedenen Seiten kleine Strähnchen flechten, schaue ich mir ihre Haare an. Von den sechs Mädels haben die beiden Älteren den Kopf rasiert. Nur etwa ein Zentimeter schwarze Haare krusseln sich auf der Kopfhaut. Die beiden gehen aufs collège im Dorf. Dort, wie auch auf vielen anderen staatlichen weiterführenden Schulen des Landes müssen sich die Schüler den Kopf rasieren. Warum das Pflicht ist, kann mir keiner erklären. In einem Punkt sind sich aber alle, die ich bisher gefragt habe, einig: Sich den Kopf zu rasieren, passt ihnen gar nicht.

Die anderen vier Mädels, die auf meinem Kopf rumwursteln, haben ihre Haare zu kunstvollen Frisuren geflochten. Drei von ihnen sind noch zu jung fürs collège, die andere geht auf eine Privatschule. Die eine hat ihre Haare ganz eng am Kopf entlang nach hinten geflochten. Die andere hat viele kleine Rastazöpfchen, in die blondes Kunsthaar eingeflochten ist. Die dritte hat ihre Haare zu einer feuille (Blatt) frisiert: Strähnchenweise werden Haare mit Draht umwickelt und am Ansatz eines anderen Strähnchens festgebunden. Von oben sieht das aus wie eine grobe Aderstruktur eines Blattes. Die letzte hat ihre Haare büschelweise am Haaransatz mit bunten Zopfgummis zusammengebunden. Die abgetrennten Zöpfe hat sie dann alle zwei Zentimeter erneut mit bunten Gummis zusammengebunden, sodass von ihrem Kopf ganz viele „Antennen“ abstehen, die aussehen, wie eine Reihe kleiner Haarbällchen. (Ich hoffe, ihr könnt euch vorstellen, was ich meine. Sonst gibt´s bald Fotos!) Eine ziemlich süße Frisur für die Vierjährige!

Vor den Häusern sehe ich hier immer und überall Frauen, die einander oder ihren Kindern die Haare flechten. Es gibt unzählige Frisuren: Aufwendige, schnell geflochtene, für Mädchen, für Jugendliche, für Frauen… Dass auf der Straße mal jemand mit offenen Haaren rumläuft, ist so selten wie eine Woche ohne Stromausfall. Wenn die alte Frisur aufgelöst wurde und die Haare noch nicht wieder neu geflochten wurden, setzen die meisten eine Mütze auf oder wickeln sich ein Tuch um den Kopf.

Im Centre hatten Linda, Carine und Winnie rasierte Köpfe, bei allen anderen Mädels wurden die Haare geflochten. So eine Frisur hält meistens zwei bis drei Wochen, bis sie zu ausgefranst ist, wieder aufgemacht wird und die Haare neu frisiert werden. Das Frisieren dauert, je nach Frisur, ein bis drei Stunden. Einmal hat Maiva ihre Haare vier Wochen lang geflochten gelassen, ohne die Frisur zwischendurch zu erneuern. Die anderen Bewohner haben sie immer wieder ermahnt, doch endlich ihre Zöpfe zu lösen, aber sie war einfach zu faul oder zu stur. Irgendwann hat sie sich dem Druck ergeben und die Haare aufgeflochten, sich aber nicht neu frisieren lassen und ist eine Woche mit offenen Haaren rumgelaufen, bis Assan kurzen Prozess gemacht, den Rasierapparat ausgepackt und ihr den Kopf geschoren hat. Ordentliche Haare zu haben ist hier sehr wichtig.

Wenn ich eine Frau mit offenen Haaren sehe, sind das in 99% der Fälle nicht ihre eigenen, sondern eine Perücke, oder Kunsthaar, das in den eigenen Haaren festgemacht wurde.

Ich habe mir meine Haare dreimal, darunter einmal mit Kunsthaar, flechten lassen. Die Meinungen waren da sehr verschieden. Die einen sagten: „Ach, wie schön, guck mal die Weiße! Die hat sich richtig integriert!“, andere konnten mich nicht verstehen. „Gott hat dich mit so schönen Haaren gesegnet. Warum magst du sie nicht zeigen?“

Einerseits ist es schon super praktisch, die Haare geflochten zu haben: Ich muss morgens nichts frisieren, muss sie nicht waschen und egal wie lange ich mit dem Moto fahre, der Fahrtwind kann nichts durcheinanderbringen. Aber andererseits tut das flechten echt weh, dauert ewig, nach einigen Tagen fängt die Kopfhaut an zu kratzen und beim Entflechten fallen mir Büschelweise die Haare aus.

Ich bereue es nicht, mir die Haare flechten zu lassen. Aber dauerhaft habe ich doch lieber meine eigenen Haare lose auf dem Kopf. Auch wenn sie nicht immer (nie) perfekt liegen, ich mich unter die kalte Dusche stellen muss, um sie zu waschen und morgens dreißig Sekunden meiner Zeit opfere, um sie mit einem Haargummi und ein paar Spangen auf meinen Kopf zu knüllen. 

 

Eine andere Situation aus dem Centre war, dass Assan eines Morgens von der Schule wieder nach Hause kam. Als ich ihn fragte, warum er wieder im Centre sei, antwortete er mir, der Lehrer hätte ihn nach Hause geschickt. Seine Haare (vielleicht 1,5 cm lang) seien zu lang gewesen. Obwohl Assan an dem Tag eine Klausur zu schreiben hatte, durfte er nicht im Klassenraum bleiben. Ihm wurde erst erlaubt, wiederzukommen, wenn er seinen Kopf wieder rasiert hätte.

Jungs und Männer tragen hier fast alle rasierte Köpfe. In dem ganzen vergangenen Jahr habe ich nur drei Männer kennengelernt, die ihre Haare länger als ein paar Zentimeter haben. Der eine wohnt den Großteil des Jahres in Deutschland, daher „darf er das“, die anderen haben sich einfach nicht für Kritik interessiert. Normalerweise aber tragen nur les fou, die Verrückten, die Haare lang.

Wenn ich frage, warum hier niemand seine eigenen Haare offen trägt, kommt als Antwort entweder: „Weil das so muss!“ oder „Weil unsere Haare nicht so schön sind wie deine, Clara, und die der anderen Weißen!“. Ich finde es echt traurig, dass eine ganze Gesellschaft sich nicht mit dem zufrieden geben kann, was ihr gegeben wurde. Klar, jeder kann gerne aussehen, wie er will, aber ich finde es schade, dass fast jedem kamerunischen Kind von Geburt an gepredigt wird: „Das, was auf deinem Kopf wächst, ist nicht schön. Das kannst du nicht so lassen.“ Die Flechtfrisuren sind oft wunderschön, aber ich kann diesen Druck, IMMER geflochtene Haare zu haben, nicht verstehen. Wenn ich mal jemandem sage, „Lass deine Haare doch mal offen! Das sind deine Haare, und du bist schön damit!“ oder ich mich über Maivas Rasur aufgeregt habe, kommt nur ein „Du mit deinen Haaren hast gut reden, Clara!“ Traurig.

 

 

 

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